Wardrobe Aesthetics #5: Key Pieces, made to last

Wardrobe Aesthetics #5:

Eigentlich wollte ich nur schnell einen »New In« – Post verfassen – sowie wir es in ganz frühen Blogzeiten von Zeit zu Zeit getan haben, einfach, weil das Kleider–Ensemble–Ablichten mit Selbstauslöser vor der eigenen Schrankwand nie ganz so stilvoll aussehen wollte, und uns die Dinge vor der Kamera irgendwie wichtiger waren als unsere eigenen Gesichter im weiten Netz… Die Blogzeiten änderten sich. Und heute musste ich feststellen, dass wir hier in unserem kleinen Onlinemag überhaupt keine Rubrik haben, in der wir frisch entdeckte Fundstücke einfach mal so vor–, bzw. vor–die–Kamera–stellen. Da mir so ein »New In« dann auch plötzlich ganz lapidar vorkam, wühlte ich ein wenig im eigenen Gemüt. Was mich in letzter Zeit Kleidertechnisch so beschäftigte? Und warum die neuen materiellen Begleiter mich gerade so über-glücklich machen?

Voilà! Hier die Antwort in Form einer neuen Runde Kleiderschrank–Ästhetik in der wir abwechselnd – mal aufwändiger, mal weniger aufwändig – nach Materialien aus dem eco-fairen Mode Bereich forschen, oder eben Prinzipien und Auswirkungen der langsamen, fairen und nachhaltigen Mode beleuchten. Nach Gedanken zu Vintage und Second Hand sowie der Ökonomie des Teilens ist das aktuell bei mir – ich geb’s zu, ganz Fast Fashion infiltriert – der kleine Anflug von eco-fairer Modemüdigkeit. Heute gibt’s entsprechend einen persönlichen Status Quo sowie Antworten zum holprigen Weg gen langsamer Mode–Ästhetik, ohne dabei den Spaß zu verlieren! <3

[Trifft die im letzten Sommer aufgeflammte Liebe zu »Babouches«
– Schuhe von hessnatur]

Aesthetics of Slow – and some problems to face

 

Über zwei Jahre nun schon meide ich die großen Straßenketten und suche nach Kleideralternativen im lokalen, fairen und nachhaltigen Modesegment. Und soll ich euch was sagen? So einen Motivationsdurchhänger wie diesen Winter hatte ich noch nie! Klar, es gibt sie, die inspirierenden MacherInnen, die es produktionstechnisch besser als Andere angehen. Zwei bis drei Punkte führen hier jedoch bei mir persönlich noch oft zur Enttäuschung nach erster Kleider–Begeisterung:

A) Die Zugänglichkeit zu den Modischeren Stücken: Fast jedes Label, das wir z.B. auf dem Greenshowroom bewundern können hält sich mit Basics über Wasser, hat aber ebenso ein paar besondere Herzstücke für die Modemenschen unter uns parat. Die Problematik? Es ist eher rar, dass diese Stücke von LadeninhaberInnen geordert werden. Hier also die von Herzen kommende Bitte: Traut euch, ihr LadeninhaberInnen. Und seid euch sicher, dass die Kleiderliebhabenden kommen werden!

B) Qualität und Wirtschaftlichkeit: Zudem hat die noch recht junge Szene an grünen MacherInnen noch so einiges zu lernen – entweder wird mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit an Qualität und Design gespart, was am Ende des Tages nicht wirklich »made to last« bedeutet; oder eben seitens der Kleider–MacherInnen zu viel Energie in das Kleidungsstück (Schnitttechnik, Materialien etc.) gesteckt und dabei vergessen, dass sich am Ende des Tages auch eine zahlende Kundin finden wird müssen… eine Crux, der wahrscheinlich wirklich nur durch Skalierung zu entkommen ist.

Zu guter Letzt trifft vor allem der erste Punkt aber auch eben diese Frage mitten ins Herz: Slow und Fashion, ist das nicht eigentlich ein Oxymoron? Kann sich eine langsame Modeästhetik mit Trends überhaupt vereinbaren lassen, und wenn nicht gleich von Trends (die so schnelllebig und nach Fast Fashion klingen) die Rede ist – wie sieht es dann mit besonderen Key Pieces aus?

[Pariser und Hamburger Bohème, ahoi! –  für den persönlichen Geschmack nicht zu hippieskes Troddel–Detail am Kleid von Lies in Layers]

Keypieces, made to last

 

Hier die Antwort: Und zwar in Form meines »Wohin ich also nach zwei Jahren Ausprobieren und Lernen inzwischen am Liebsten schaue«! Das sind einerseits die großen eco-fairen Veteranen, bei denen sowohl Qualität garantiert wird, als auch die Preise ob der hohen Verkaufsmengen auch für Studentin teilweise verkraftbar gehalten werden. Und das sind andererseits die lokalen MacherInnen, von denen ich um die zwei Augen auf Qualität weiß – nicht selten eigentlich für Studentin zu teuer, aber da wäre ja auch noch das eigentliche Unwort »Sale«. Wenn diese LieblingsmacherInnen dann auch noch ein wenig frischen Wind in den Kleiderschrank bringen, dann weiß ich inzwischen: Hier bin ich richtig, und die Stücke, die ich hier finde, werden mich noch eine ganze Weile begleiten.

Dieses Frühjahr gehören dazu: Ein Fast–Schon–Trend–Stück in Form der marokkanisch angehauchten Lederschuhe, auch »Babouches« genannt. Ein luftiges Streifenkleid mit winzigem (und deswegen trotzdem so wunderbar zeitlosen) Troddel–Detail an der aufgesetzten Tasche (dass zwar eigentlich aus den AW16/17 Kollektionen stammt aber in unseren Gefilden wunderbar bis tief in den Sommer hinein getragen werden kann…). Und die schönen Silberohrringe, die einerseits zeitlos erdacht worden sind, andererseits die aktuelle um–sich–greifende Liebe zu mehr und verspielterem Ohrschmuck treffen. Wenn ich mich aufgrund von akuter Kleiderverliebtheit nicht ganz gewaltig irre, dann sind das hier die Keypieces, die zeitgenössische Modeströmungen ganz gekonnt mit dem Gedanken des »made to last« verbinden… Fragt mich in ein paar Jahren noch mal – ich bin mir sicher, die Kleiderkumpanen weilen dann noch an meiner Seite.

[Die Mode ruft nach mehr Klimbim an den Ohren – FOLKDAYS hat schon vorher drauf geantwortet. Mit wunderschönen, fair produzierten Schmückstücken]

Habt ihr ebensolche Stücke für euch entdecken können? Wie ihr vielleicht heraushört ist Kleiderinspiration aus unseren, bzw. euren langsamen Reihen ganz dringend bei mir benötigt… Danke im Voraus, für weitere Ermutigung. <3

Other Slow Fashion Favorites?

Kommentare (3)

  1. Trends und Fair Fashion zu vereinen scheint tatsächlich schwer. Trends sind ja meistens kurzlebig und Fair Fashion soll ja im besten Falle sehr langlebig also nachhaltig sein.
    Ich bin ziemlich neu im Fair Fashion Geschehen und ertappe mich selbst wie mir vieles zu schlicht, zu Basic lastig ist. Aber es gibt es immer mehr neue Brands, die sich auch mehr trauen. Man muss definitiv mehr und länger schauen bis es Klick macht als bei Fast Fashion Marken, ist mir aufgefallen. 🙂

    Beste Grüße,
    Bella von KesseBolle

    • Huhu Bella,
      ja, genau mein Anliegen – irgendwie ist es ja paradox, nach langlebigen Stücken und gleichzeitig Trends schauen zu wollen.

      Aber: Gleichzeitig soll doch auch irgendwie der Spaß nicht verloren gehen, besonders wenn man bedenkt, dass eine typische Basic Garderobe bei jedem anders aussieht. Ich trage weiße Shirts und Blue Jeans tatsächlich erst, seit ich versuche nur noch fair zu kaufen. Vorher habe ich viel mehr Kleider und Röcke getragen, und ganz selten so typische Basics. Die sind aber plötzlich schwer zu finden und mein Stil hat sich irgendwie etwas net-individualisiert, ohne dass ich das beabsichtigt habe… Das ist ja eigentlich irgendwie traurig! :/ Deshalb: Mein Plädoyer für mehr Mut unter den MacherInnen, um verschiedene Stile zu bedienen! <3

    • Oh, und: Willkommen im Slow Fashion Trubel natürlich! 🙂 <3

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