Wardrobe Aesthetics #5: Know Your… Vintage (Why we support Slow Fashion!)

Wardrobe Aesthetics #5

 Fashion Revolution Day: Why we support Slow Fashion

Heute ist der 24. April und damit offizieller internationaler Fashion Revolution Day. Der Grund für den Trubel? In Bangladesh, Sabhar, brach vor genau vier Jahren an diesem Tag ein baufälliges Fabrikgebäude zusammen – mit verheerenden Folgen für die darin arbeitenden NäherInnen. Die in den Trümmern der Fabrik aufgetauchten Kleideretiketten großer Modeketten brachten das Unglück in den darauffolgenden Tagen beklemmend nahe an unsere eigenen Kleiderschränke, gar die eigenen Körper. Und viele begriffen erstmals, dass es ein Umdenken seitens Industrie und seitens KonsumentInnen geben müsse. fashionrevolution.org erinnert genau aus diesem Grund jährlich mit verschiedenen Aktionen daran, das Unglück nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Kampagne, die sich sowohl im städtischen Raum als auch im Netz abspielt und jährlich ein kollektiv zusammengetragenes Archiv an Bildern und Texten zum neuen Leben erweckt, stellt fragen wie #whomademyclothes und ruft MacherInnen zur Antwort #imadeyourclothes auf. Mit immerhin schon einmal diskursivem Erfolg – Tausende teilen an diesem Tag im April ihre Fragen und auch die große Unternehmen beginnen, darauf zu antworten.

Letztes Jahr mischten wir bereits fleißig mit dem Fair Fashion Squad unter dem Hashtag #Wardroberevolution mit. Dieses Jahr sind wir offline in Hamburg mit einem Kleidertausch Pop Up Shop unterwegs – gar nicht so sehr unter dem Motto Fair Fashion sondern im Sinne von Slow Fashion, also langsamer Mode. Auch online wollen wir deshalb dieses Jahr den Fokus nicht so sehr auf Fair Fashion und die Frage #whomademy(new)clothes legen. Sondern thematisieren, dass bereits der Konsum von neuer Kleidung an sich einen großen Teil unseres heutigen Industrie-Mensch-Umwelt-Problems darstellt. Voilà, dürfen wir euch mitnehmen? Zu einer neuen Reihe Wardrobe Aesthetics über unser letztes Erlebnis mit unserer heutigen Wegwerfgesellschaft und bereits getragenen Kleidern, die definitiv eine zweite Chance verdient haben!

Know your Vintage… and it’s Market!

Im Spätsommer 2016 wollten wir es wissen: Zwei Tage lang haben wir – eine kleine Runde an Interessierten – Altkleider sortiert, welche innerhalb von zwei Wochen bei einem caritativen Hamburger Altkleider-Unternehmen angefallen sind. 10 Tonnen Kleidung lagen verpackt in blauen Tüten vor uns, als wir die Lagerhalle betraten. 10 Tonnen Kleider aus zwei Wochen – und das nur aus einigen ausgewählten Hamburger Stadteilen?! Klar, dass wir sofort die Kamera zücken und das Meer an Blau festhalten mussten, welches wie kaum eine andere Farbe für unsere Wegwerfgesellschaft steht…  Was uns beim Sortieren der Altkleider am meisten erschrocken hat? Welch unterschiedliche Qualitäten und Zwecke sich Sack für Sack aneinanderreihten. Vom Putzlappen bis zum frisch gereinigten Lodenmantel – sobald ein Kleidungstück erst mal aus den Händen der Verantwortlichen gegeben wurde, tritt es eine lange, mühsame, und ressourcenaufwändige Reise an, die entweder im nächsten Second Hand Shop, der Kleiderkammer, auf dem Recyclinghof, oder in der Müllverbrennungsanlage endet.

Passender Weise hat Greenpeace vor ein paar Monaten fast zeitgleich zu unserem Sortier-Experiment das Fact Sheet »Time out for Fast Fashion«veröffentlicht und uns damit mit vielen aktuellen Infos zu dem Thema Kleidung, Second Hand und Kleidermüll versorgt. Liest man sich durch die Broschüre ist der Schreck nicht weniger klein: So hat sich die Produktion von Kleidung seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Wir kaufen durchschnittlich 60% mehr Teile als früher und behalten sie dabei doch nur halb so lang. Dass das keine guten Folgen nach sich ziehen kann ist wohl Allen klar. Aber was genau sind das für Folgen?

Anna wears: Silk Blouse, Silk Bomber and wool skirt – Vintage

Esther wears: Wool shirt, cotton sweater and highwaist trousers – Vintage

»The volume of clothes being consumed is increasing the impact of the textile industry – already one of the biggest polluters.« – Greenpeace, Time out for Fast Fashion

Was genau passiert eigentlich mit den Kleidern, die von uns ausrangiert werden? Leider gibt es wenig verlässliche Zahlen zum Export und Handel von Second Hand Kleidung. In der EU fallen jährlich ungefähr 1,5 bis 2 Millionen Tonnen (!) gebrauchte Kleidung an. Davon bleiben ca. 10-12% – und zwar nur die beste Qualität – in der EU und werden vor Ort wieder verkauft. Der Rest wird aus der EU vor allem nach Russland, Indien und Pakistan exportiert. Von dort aus geht die Reise nach Afrika weiter. Was das für Folgen hat? Die Second Hand Kleidung aus Europa und den USA überschwemmt die Märkte in Entwicklungsländern und erschwert es heimischen Textilherstellern einen eigenen Absatz zu etablieren.

Wird der Großteil der Kleidung zumindest noch genutzt? Nicht unbedingt! Und hier liegt ein weiteres großes Problem, dass a) die Märkte und b) unsere Umwelt betrifft. Die Kleidung unserer Fast Fashion Zeit hat an Qualität verloren. Das liegt unter anderem an den Mischgeweben – also z.B. dem Mix aus Baumwolle und Polyester oder Elastan. Diese nach kurzem Tragen oft bereits mangelhafte Ware muss auf dem Weltmarkt also mit neuer Billig–Ware aus China konkurrieren – und im Schlimmstfall steigt so die Nachfrage nach Fast Fashion noch weiter an.

Und was passiert nun mit der Kleidung, die nirgendwo mehr getragen wird? Das Recycling wenig-qualitativer Stoffe ist in vielen Fällen nicht mehr möglich oder zu Energie aufwendig. Selbst Baumwolle und Wolle kann nur mit Qualitätsverlust recycelt werden, weil die Fäden im Laufe des Recyclingprozesses immer kürzer werden. Kunstfasern werden nur von wenigen Firmen überhaupt recycelt. Um Mischgewebe wieder zu verwenden müssen die unterschiedlichen Fasern erst voneinander getrennt werden. Das ist vor allem bei Elastan eine besonders kompizierte Angelegenheit. So werden viele Stoffe einfach nur unter Down-cycling zu Dämmmaterial – und finden danach auch schon den Weg in den Müll.

Quelle: Greenpeace – „Time out for Fast Fashion“, 11/2016

Was wir derweil tun können?

Wir müssen lernen Materialien wieder zu wertschätzen. Wer qualitativ hochwertige Kleidung kauft hat sehr viel länger etwas davon. Und zeigt dem Markt, dass die Nachfrage nach Qualität da ist! Wir müssen unsere Kleidung lieben; sie so lange tragen wie es geht; neu stylen und reparieren; mit FreundInnen tauschen. Und wenn wir doch mal etwas Neues brauchen? Dann kaufen wir am besten natürlich Second Hand! Je höher die Nachfrage im eigenen Land ist, desto weniger Altkleider überschwemmen die internationalen Märkte und zerstören lokale junge Industrien. Ein letzter Fakt zum Schluss? Ein Kilogramm Baumwolle, welches durch den Kauf von Second Hand statt neuer Ware gar nicht erst produziert werden muss, spart 65 kWh – ein Kilogramm Polyester sogar 90 kWh Energie! Somit tun wir unserer Umwelt gleich doppelt Gutes…

Wer nun nach den etwas düsteren Fakten erst recht richtig Lust auf Vintage Spaß und Kleidertausch bekommen hat: Ab heute geht’s in Hamburg in der B-Lage rund bei unserem Pop Up Shop! Hier findet ihr alle Informationen. <3

Fair Fashion Squad ahoi! Heute gibt es auf jedem Blog unserer Fair Fashion Mitstreiterinnen spannende und persönliche Artikel rund um die eigene Kleiderschrankgeschichte… Mit dabei sind: Lisa von at least | Ann Cathrin von Fashion Fika | Mia von heylilahey | Vreni von Jäckle & Hösle | Mari von Mari Davor | Agnes Pauline und Julia-Maria von Nice to have Mag | Wiebke von  Sloris | Amina von Stellamina | Bina von stryleTZ | Julia und Anna von subvoyage 

Kommentare (3)

  1. Oh Wow! Beeindruckende Bilder! Mich erschreckt das jedes Mal aufs neue wenn einem vor Augen gehalten wird, wie viel an Kleidern weggeschmissen bzw als Wegwerf-Gut konsumiert wird.. Toll das ihr darauf aufmerksam macht!

    xx Franzi

    https://unpetitsourireslowsdown.blogspot.de/

  2. Ihr seid echt die Vintage-Queens! Tolle Fotos von euch und ich freue mich, morgen bei eurem Event vorbeizuschaun.
    Liebst, Bina
    stryleTZ

  3. Pingback: OUTFIT: WHY I SUPPORT FAIR FASHION - stryleTZ

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